| Veranstaltung: | Herbst-Bundesausschuss 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8. Anträge |
| Antragsteller*innen: | Bundesvorstand KLJB Antragsverwaltung |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 01.10.2026, 14:21 |
8.2: Nicht nur ackern, auch entscheiden - Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft stärken
Antragstext
Frauen[1] leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Landwirtschaft und das
Leben in Ländlichen Räumen. Sie führen Betriebe, übernehmen Verantwortung in
Familienunternehmen, arbeiten als Arbeitnehmerinnen oder Saisonarbeitskräfte,
engagieren sich ehrenamtlich und tragen einen erheblichen Anteil der
Sorgearbeit. Dennoch bleiben ihre Leistungen häufig unsichtbar oder werden
rechtlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht ausreichend anerkannt.
Noch immer werden rund neun von zehn landwirtschaftlichen Betrieben in
Deutschland von Männern geführt. Frauen sind deutlich seltener Eigentümerinnen
oder Betriebsleiterinnen und verfügen häufig nicht über eine eigenständige
soziale und rechtliche Absicherung. Gleichzeitig übernehmen sie einen
überproportional großen Anteil an unbezahlter Care-Arbeit.[2] Die Lebens- und
Arbeitsrealitäten von trans und genderqueeren Menschen in der Landwirtschaft
sind dabei bislang kaum sichtbar und müssen deshalb ebenfalls berücksichtigt
werden.
Die KLJB setzt sich für die gleichberechtigte Teilhabe aller Frauen in ihrer
Vielfalt in der Landwirtschaft und in Ländlichen Räumen ein.
Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und Selbstbestimmung sind
unverzichtbare Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und
lebendige Ländliche Räume.
Die KLJB fordert über das aktuell laufende Internationale Jahr der Landwirtin
der Vereinten Nationen hinaus, die Politik, landwirtschaftliche Verbände und
gesellschaftliche Akteur*innen auf, geschlechtsbezogene strukturelle
Benachteiligungenkonsequent abzubauen. Insbesondere fordert die KLJB:
- den gleichberechtigten Zugang zu Eigentum, Betriebsübernahmen und
Leitungspositionen sowie den Abbau bestehender struktureller Hürden,
- eine eigenständige und geschlechtergerechte soziale und rechtliche
Absicherung aller in der Landwirtschaft tätigen Menschen, insbesondere von
Frauen.
- die gesellschaftliche, rechtliche, wirtschaftliche und soziale Anerkennung
von Care-Arbeit sowie ehrenamtlichen Engagements.
- die konsequente Umsetzung von Lohngerechtigkeit sowie faire
Erzeuger*innenpreise als Grundlage gerechter Arbeitsbedingungen,
- sichere, diskriminierungsfreie und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen
für alle Beschäftigten in der Landwirtschaft,
- strukturelle Veränderungen hin zu einer gleichberechtigten Repräsentation
und wirksamen Mitentscheidungen von Frauen in agrarpolitischen Gremien,
Verbänden und Entscheidungsprozessen,
- die Verankerung und Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit in Ausbildung,
Forschung, Beratung und Agrarstatistik,
- die nachhaltige Stärkung Ländlicher Räume und gleichwertiger
Lebensverhältnisse, um eine ausreichende Daseinsvorsorge und
Demokratiestärkung zu gewährleisten.
Die KLJB verpflichtet sich zudem, diese Ziele in ihrer eigenen politischen und
gesellschaftlichen Arbeit, und Interessenvertretung auch nach dem Jahr 2026
sichtbar zu machen und sich gemeinsam mit Bündnispartner*innen für deren
Umsetzung einzusetzen.
[1] Der Antrag stellt anlässlich des Internationalen Jahres der Landwirtin
Frauen in den Mittelpunkt. Geschlechtergerechtigkeit umfasst darüber hinaus auch
die Anliegen von trans und genderqueeren Menschen.
[2] Pieper, J.L. et al. (2023). Die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen auf
landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland – soziologische Befunde. Georg-
August-Universität Göttingen, 2023. Forschungsbericht. doi: 10.47952/gro-publ-
125;Davier, Z. et al. (2023): Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in
Deutschland – Leben und Arbeit, Herausforderungen und Wünsche
Befragungsergebnisse von über 7.000 Frauen. Thünen Working Paper 207. März 2023,
thuenen.de.
Begründung
Geschlechtergerechtigkeit ist keine individuelle Frage einzelner Lebensentscheidungen, sondern hängt wesentlich von politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Strukturelle Benachteiligungen müssen deshalb aktiv abgebaut werden. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass weltweit Fortschritte bei Gleichstellung und Selbstbestimmung zunehmend unter Druck geraten.
Als katholischer Jugendverband setzt sich die KLJB für die Würde aller Menschen und für gleichberechtigte Teilhabe ein. Dazu gehören ausdrücklich Frauen in ihrer Vielfalt sowie trans und genderqueere Menschen, die vielfach vergleichbare Diskriminierungserfahrungen machen.
Eine nachhaltige Landwirtschaft braucht vielfältige Perspektiven und gerechte Beteiligung. Geschlechtergerechtigkeit stärkt nicht nur die Situation einzelner Menschen, sondern trägt zur Zukunftsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe, zur Resilienz Ländlicher Räume und zu einer demokratischen Gesellschaft bei. Mit diesem Antrag bekräftigt die KLJB ihren Einsatz für eine Landwirtschaft, in der alle Menschen nicht nur mitarbeiten, sondern gleichermaßen mitentscheiden können.
Änderungsanträge
- Ä1 (Dirk Buddenbrock (KLJB Nordrhein-Westfalen), Eingereicht)
- Ä2 (Dirk Buddenbrock (KLJB Nordrhein-Westfalen), Eingereicht)
- Ä3 (Dirk Buddenbrock (KLJB Nordrhein-Westfalen), Eingereicht)
- Ä4 (Dirk Buddenbrock (KLJB Nordrhein-Westfalen), Eingereicht)
- Ä5 (Dirk Buddenbrock (KLJB Nordrhein-Westfalen), Eingereicht)
- Ä6 (Angela Genent (DV Aachen), Eingereicht)
- Ä7 (Angela Genent (DV Aachen), Eingereicht)
- Ä8 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä9 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä10 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä11 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä12 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä13 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä14 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä15 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä16 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä17 (DV Köln, Eingereicht)
- Ä18 (BAK Land (BAK Land), Eingereicht)
- Ä19 (BAK Land, Eingereicht)
- Ä20 (BAK Land (BAK Land), Eingereicht)
- Ä21 (BAK Land (BAK Land), Eingereicht)

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